Die Geschichte des Piaristengymnasiums vor 1848

Die Gründung unserer Schule

Im November 1701 öffnete das Piaristengymnasium, die zweitälteste höhere Schule Wiens nach dem Akademischen Gymnasium, seine Pforten. Gemäß der Jesuitischen Gymnasialordnung teilte man die Schüler in sechs Gymnasialklassen ein: Parvisten, Prinzipisten, Grammatisten, Syntaxisten, Poeten und Rhetoriker. Der Unterricht in der heutigen Volksschule war gratis und der Großteil der Schüler stammte aus einfachen Verhältnissen.
Die Piaristen pflegten ein sehr offenes und flexibles Schulsystem, welches sich dadurch auszeichnete, dass die Unterrichtsstunden nicht ausschließlich in Latein gehalten wurden. In einem Versuch, das österreichische Schulwesen zu revolutionieren, nahm sich Kaiser Karl VI. die Piaristen zum Vorbild und veränderte nach ihrem Beispiel die Schulen in ganz Wien. Nachdem die Schüler der Jesuiten eine schulische Zurückstufung durch die Änderung in ihrem Schulsystem erfahren hatten, kam es zu vielen Beschwerden an die Piaristenpatres. Nach einem jahrelangen Machtkampf zwischen den beiden Schulen wurde schließlich die Entscheidung zugunsten der Piaristen gefällt und die Jesuiten verschwanden vollkommen von der Bildfläche. So übernahm der Piaristenorden später die ehemaligen Jesuitenanstalten wie z. B. das Akademische Gymnasium.

Um am Piaristengymnasium unterrichten zu können, mussten die Patres eine 9-jährige, universelle Ausbildung absolvieren. Die Ausbildung umfasste ein zweijähriges Noviziat, in dem der künftige Pater griechische Dichter und lateinische Klassiker lesen musste und lernte, sich einigermaßen gewandt auszudrücken. Er erhielt zwei Jahre Unterricht in Sprachen und in Mathematik, gefolgt von zwei Jahren Philosophie und einem dreijährigen Studium in Theologie. Jedes halbe Jahr fanden öffentliche Prüfungen statt und nachdem man 10 Jahre mit „laudabiliter“ Leistung punkten konnte, durfte man als Professor am Gymnasium unterrichten.

In der Zeit des aufgeklärten Absolutismus

Die österreichische Monarchie wurde im 18. Jahrhundert im Stil des aufgeklärten Absolutismus regiert. Man wollte sich nun nicht mehr auf Gottes Gnaden, sondern vielmehr auf praktische Notwendigkeiten konzentrieren. Die Monarchie versuchte ein Schulsystem mit weltlichem und praxisbezogenem Schwerpunkt zu entwickeln. In diesem Interesse wurde eine Vielzahl von Lehrplänen entwickelt, unter denen sich schließlich der Vorschlag des Piaristen Gratian Marx durchsetzte. In seinem System bildete Latein nach wie vor den zentralen Unterrichtsgegenstand. Fächer wie Griechisch oder Deutsch hingegen mussten gekürzt werden zugunsten Erweiterung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer. Gratian Marx machte das revolutionäre Schulbuch von Johannes Amosius Comenius zum Teil seines neuen Lehrprogramms. Bis heute gilt dieses Lehrbuch, das „Orbis sensualium pictus“, als Vorfahre des klassischen illustrierten Schulbuches.

Als Kaiser Joseph II. an der Macht war

Österreichs Kriege gegen die Preußen und gegen die Türken ließen die Regierung auf dem Gebiet der Bildung jede Art von Sparprogramm erfinden. Der Staat hob jährlich ein Schulgeld von 12 Gulden ein und außerdem verbot Joseph II. die körperliche Züchtigung. Für die Piaristen war es deshalb ein Glücksfall, als Johann Jakob Graf von Löwenburg sein Vermögen an die Schule stiftete. Der Piaristenorden beschloss, mit dem Geld das „Löwenburgische Konvikt“ ins Leben zu rufen. Das „Löwenburgische Konvikt“ war ein Internat im Nordtrakt unserer Schule. Den größtenteils adeligen Zöglingen (z. B. Karl Mozart und Baron Friedrich Anton Schönholz) wurden neben der schulischen Bildung viele Kulturtechniken wie Reiten, Fechten und Tanzen gelehrt. Das Internat löste sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs auf.

Nach Gratian Marx wurde die nächste schulische Änderung von Franz Innozenz Lang herbeigeführt. Unter ihm wurde das Fachlehrersystem eingeführt, in dem ein Lehrer nicht mehr alle Fächer unterrichtete, sondern sich auf zwei bis drei spezialisierte. Wahrscheinlich hatte aber der Mangel an Fachlehrern Schuld daran, dass 1818 Schluss war mit Langs System und die Schule wieder zum alten System zurückkehrte. Einer von Langs Schülern war Franz Exner, der spätere Unterrichtsminister. In seiner Amtszeit nach 1848 änderte er das damalige Schulsystem nach den Vorstellungen Franz Innozenz Langs, wodurch der Grundbaustein zum modernen Schulsystem gelegt wurde.

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