Smokey Hugs and Cappucino

shc

(von links nach rechts: Katharina Glas (DE/AT), Cäcilia Färber (DE/AT), Elda Gallo (IT/AT), Anna Possarnig (AT), Gisela Elisa Heredia)

Bei Tanz als Ausdrucksform geht es niemals nur um die Performance selbst, sondern auch um das vermittelte Gefühl und die generelle Auffassung. Umarmung, Beziehung aller Arten, Körperkontakt — in einer Zeit, in der Geschlechtsverkehr kommerzialisiert wird, haben Menschen Angst vor echter Berührung. In dem Tanzstück von Gisela Elisa Heredia und tanz.coop wird genau dieses Thema aufgearbeitet.

Behandelt werden Intimität und der Umgang damit in der Öffentlichkeit, sowie das Miteinander und konträr das Alleine sein. Oftmals ist jene Einsamkeit und das „Klarkommen“ mit dem Selbst die größte Herausforderung. Wenn man den Hintergrund betrachtet und nicht nur auf die Haupthandlung achtet, kann man gut erkennen, dass der Kampf im Inneren erst zu jenen Kontaktschwierigkeiten führt. Theater alleine kann oft nicht auf gleich vielen Ebenen vermitteln wie Tanz, weswegen die Vermischung dieser beiden Künste uns eine Schicht tiefer gehen lässt.

Das einstündige Stück zeigt vier Tänzerinnen und einen Tänzer und behandelt in verschiedenen Szenen das Zwischenmenschliche und die ganz persönlichen, manchmal routinierten Zwänge, wobei der Tango im tänzerischen als Metapher für die Umarmung gilt. Verständlich, kommt doch die Choreographin und Frau hinter dem Konzept selbst aus Argentinien. Sie arbeitete sieben Wochen mit dem Cast an dem Stück, exklusive der Zeit, welche davor in die Originalidee investiert wurde. Das tägliche Training hat sich ausgezahlt und das mühevoll Einstudierte wirkt nun fast schon instinktiv. Stetig wandert man den schmalen Grad zwischen Taktgefühl und Taktlosigkeit, wobei das eine im Tanz natürlich im Vordergrund stehen sollte.

Wie der Titel verrät, oder zumindest erahnen lässt, sind Zigaretten präsent. Galten die Glimmstängel zuerst als Statussymbol und später als Soldatenkraut für die Krauts (stereotypisierte Bezeichnung für Deutsche im Zweiten Weltkrieg), sind sie heute fast verpönt. Während man sich keine Aufklärungsrede zum Thema Lungenkrebs oder Bilder von passivrauchenden Kindern erwartet, ist es fraglich, ob die Zigarette hier glorifiziert wird. Rauchen wird gleichgestellt mit dem Charme des Mysteriösen, wohl gleichermaßen um Stress zu veranschaulichen als auch das vorher angesprochene Intime und Persönliche zu verdeutlichen. Wurden Zigaretten doch von der großen Leinwand vor einigen Jahren verbannt, scheinen sie jetzt vor allem in kleineren Produktionen oder Independent Movies ein Revival zu haben. Auch der Kreis der Raucher an einigen Schulen scheint seine „Exklusivität“ auszuweiten. Anzunehmen ist, es geht hier neben dem Rauchen auch um den sozialen Kontakt wie in dem Tanzstück veranschaulicht.

Anziehung, Beziehung, Erziehung und den Abstand, den wir nehmen müssen um das größere Bild erkennen zu können, ein Tanz und seine Geschichte von modernen Phänomen: First Impression, Pandaporn und der Kunst des Kaffees:

Das von der Stadt Wien geförderte Tanzstück ist Do, 6.10 – 8.10. 2016 immer um 20:00 Uhr im KosmosTheater im siebten Bezirk zu sehen und für Schülerinnen und Schüler mit dem günstigeren Schülertarif auch sehr preiswert.
Karten: €19,- / erm. € 15,-/11,-
KosmosEuro 1,- / Sparpaket 84,-

Sehenswert für Kultur-Interessierte und alle die sich ihre eigenen Gedanken machen wollen zu diesem und darüber hinausragende Themen.

Ein weiterer Artikel welcher Einsicht in das Tänzerleben gibt und von der kreativen Reise hinter den Kulissen spricht kommt nächste Woche!

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