Der Literatur-Nobelpreis und Bob Dylan

bobdylan

Vorletzte Woche wurden in Stockholm die diesjährigen Nobelpreisträger bekanntgegeben – dabei überraschte die Jury vor allem mit der Entscheidung, den Nobelpreis für Literatur dem amerikanischen Folk- und Rockmusiker Bob Dylan zu verleihen.

Dylan, geboren 1941 in Minnesota, feierte im Jahr 1963 seinen musikalischen Durchbruch mit dem Platin-prämierten Folk-Album „The Freewheelin’ Bob Dylan“.
In den späten Sechzigern wandte er sich vermehrt auch der Rockmusik zu, was vor allem bei Fans auf große Ablehnung stieß. Nachdem der Musiker 1966 einen Motorradunfall erlitten hatte, zog er sich für zwei Jahre gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück und trat anschließend nur sporadisch auf.
Ein Comeback feierte Dylan Mitte der 1970er. Er erreichte mit einer großen Tournee einen Höhepunkt seiner Karriere, bevor er Anfang des folgenden Jahrzehntes unter anderem wegen der Trennung von seiner Frau einen neuen künstlerischen Stil, geprägt von Gospel und religiösen Inhalten, adoptierte.
Nach einigen weniger aktiven Jahren meldete sich Dylan schließlich 1994 mit einem Konzert beim Woodstock-II-Festival zurück. Folgend erschienen weitere Alben und er ging wieder auf Tour, teilweise gemeinsam mit anderen Musik-Größen wie Paul Simon und Van Morrison.
Zu Bob Dylans Lebenswerk zählt unter anderem „Blowin‘ in the Wind“, welches sich bald nach der Veröffentlichung zu einer Hymne der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg entwickelte. Besonders die oftmals fast poetischen Texte spielen in seinen Stücken eine große Rolle; sie werfen Fragen auf und kritisieren indirekt durch die Geschichten, die sie erzählen. Exemplarisch dafür steht das Lied „Like a Rolling Stone“, welches von einer Frau aus reichem Hause handelt, die plötzlich auf der Straße steht:

Refrain:

How does it feel?
To be on your own
To be without a home
Like a complete unknown
Like a rolling stone? (“rolling stone” steht hier für Herumtreiber)

Sarkastisch wirft hier Bob Dylan Fragen auf, die sich die Person vor dem Verlust ihres Zuhauses nie stellen musste, jedoch auf jene, die auf der Straße leben mussten, lächelnd herabsah.
Dies zeigt sehr deutlich, mit welcher Akribie und Tiefgang Bob Dylan viele seiner Lieder verfasst hat. Dadurch gelingt es ihm, Musik zu machen, die Geschichten erzählt und Menschen bewegt, was definitiv als Literatur im weiteren Sinne angesehen werden kann. Somit hat die Schwedische Akademie vielleicht eine überraschende Entscheidung getroffen, Bob Dylan ist jedoch eine ausgezeichnete Wahl und hat sich den Nobelpreis für Literatur auf jeden Fall verdient.
Links:
Blowin’ in the Wind: https://www.youtube.com/watch?v=vWwgrjjIMXA
Like a Rolling Stone: https://youtu.be/4F0ytNzHDj8?t=15s
Bob Dylan Homepage: http://bobdylan.com/

Quelle Bild: https://www.flickr.com/photos/52489759@N00/5073755
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

384 Besuche insgesamt: 2 Besuche heute:
Bookmark the Permalink.

Schreibe einen Kommentar