EN GARDE

fechten

Vielleicht habt ihr schon einmal Fechten im Fernsehen gesehen – höchstwahrscheinlich bei den Olympischen Spielen – und nicht gecheckt, was da gerade abgeht. Das versuche ich jetzt zu ändern, da Fechten nicht nur sportlich, sondern auch taktisch eine sehr ansprechende Sportart ist, die ich euch nun näherbringen möchte.

ALLGEMEINES
Da mir diese Frage schon oft gestellt wurde, beantworte ich sie nun vorweg: Nein, wir versuchen uns nicht gegenseitig zu töten, auch wenn es vielleicht so aussieht. Wir versuchen nur, Treffer zu landen.
Je nach Waffe wurden verschiedene Trefferflächen festgelegt: Beim Florettfechten muss man den Rumpf, beim Degenfechten den ganzen Körper und beim Säbelfechten alles oberhalb der Gürtellinie – also auch Arme und den Kopf – treffen. Im Gegensatz zu den anderen Waffen darf man beim Säbelfechten nicht nur stoßen beziehungsweise stechen, sondern auch Hiebe setzen, was den Säbel meiner Meinung nach zur realistischsten (und sowieso besten) Waffe macht.
Beim Fechten legt man großen Wert auf Etikette, was bedeutet, dass Begrüßungen vor einem Gefecht und Händeschütteln (oder auch ein Highfive) danach sogar durch die Regeln vorgeschrieben sind. Begrüßt werden Gegner, Schiedsrichter und das Publikum.

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AUSRÜSTUNG
Interessant ist auch die besondere Ausrüstung beim Fechten. Auf dem Foto könnt ihr sehen, wie viel Verschiedenes man anziehen muss – schwitzen ist also vorprogrammiert. Diese 5 Schichten, die man im Endeffekt trägt, schützen entgegen allen Erwartungen allerdings nicht immer vor blauen Flecken.
Da man beim Fechten mit einem Apparat verbunden ist, der anzeigt, ob man getroffen hat oder getroffen wurde, muss man über die „normale“ Fechtjacke noch eine elektrisch leitende Weste tragen, auf welcher meistens sein eigener Nachname gedruckt ist. Auch die Kabel spielen eine wichtige Rolle, denn das Körperkabel verbindet die Waffe und die elektrische Weste mit dem Apparat, das kürzere Maskenkabel – wie der Name schon sagt – die Maske mit der elektrischen Weste. (Übrigens ganz wichtig: Man sagt „Maske“ und auf keinen Fall „Helm“!)
Säbel braucht man zum Fechten natürlich nur einen, aber da Klingen manchmal abbrechen (wie zum Beispiel auch schon bei einem Treffer an meiner Schulter), ist es ganz praktisch und bei Turnieren eine Vorrausetzung, weitere Waffen als Reserve dabei zu haben.

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TRAINING
Trainings laufen abhängig vom Verein natürlich verschieden ab, so ist es in meinem: Zuerst wärmen alle gemeinsam auf, indem wir entweder Spiele spielen, vor allem wenn viele Jüngere dabei sind, oder ein paar – also gefühlte 30 – Runden laufen, inklusive Sprinten. Öfters machen wir auch Beinkoordinationsübungen, da Gleichgewicht und Rhythmusfähigkeit beim Fechten eine große Rolle spielen. Anschließend, nach ungefähr 45-60 Minuten Aufwärmen, beginnt die Beinarbeit. Dabei üben wir verschiedene Schrittabfolgen (zum Beispiel „Schritt-Sprung-Schritt-Ausfall“) um den richtigen Abstand zu unserem Gegner zu halten. Danach kommen oft Partnerübungen, die je nach Schwerpunkt beispielsweise aus Paraden- und Klingenübungen bestehen. Schließlich folgt der beste Teil des Trainings: das Freifechten. Für ungefähr 60-90 Minuten, je nachdem, wie lange wir aufgewärmt haben, fechten alle, die schon genügend Grundkenntnisse haben, gegeneinander und jurieren sich gegenseitig. Wir haben ein bis zwei Apparate, um elektrisch zu fechten, aber natürlich kann man das auch mechanisch tun. Zusätzlich haben wir während des Trainings sogenannte „Lektionen“, das sind Einzeltrainings mit einem Trainer, mit dem man verschiedenste Situationen durchspielt und lernt, schnell und sicher Aktionen durchzuführen, bis sie einem ins Blut übergehen.

TUNIERE
Bei internationalen Turnieren der FIE (Fédération Internationale d’Escrime) oder EFC (European Fencing Federation) gibt es vor dem Turnier eine Waffenkontrolle, bei der alle Waffen, Kabel, der Handschuh, die Maske und die elektrische Weste auf ihre Funktion überprüft werden. Was aber bei allen Turnieren – zumindest bei denen, an denen ich teilgenommen habe – immer gleich ist, sind die ein bis zwei Vorrunden. Das bedeutet, dass alle Teilnehmer eines Bewerbes in Gruppen (sogenannte Pools) eingeteilt werden, in denen jeder gegen jeden in einem Gefecht bis 5 Punkte antritt. Die Ergebnisse werden dann in Tabellen eingetragen. Umso mehr Siege (in der Tabelle als „V“ gekennzeichnet), desto besser. Falls man jedoch ein Gefecht verliert, wird in dieses Feld die Anzahl der Treffer eingetragen, die man landen konnte. In der vorläufigen Rangliste werden nun einerseits die Siege, anderseits auch der Trefferindex miteinbezogen. Dann kommt es zur zweiten Pool-/Vorrunde oder zu den Direktausscheidungen. Hier finden Gefechte auf 15 Punkte statt, bei denen der Verlierer sofort ausscheidet und der Gewinner in der nächsten Runde gegen einen anderen Gewinner antritt. So geht es weiter bis zum Finale.

Falls ich mit diesem Artikel Interesse bei euch geweckt habe, könnt ihr euch gerne bei mir melden. Ein Probetraining ist in meinem Verein jederzeit möglich.

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