Konstantin Edelmann, Irland, 6. Klasse – 2. Semester

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Vor genau einem Jahr war ich in Irland, in der Kleinstadt Listowel, und schrieb den ersten Artikel für den Piarist. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Ich dachte mir, dass ich vielleicht ein paar Schülern hiermit helfen könnte, ein Auslandssemester zu machen, oder eben eine Entscheidung dagegen zu treffen.
Ich habe mich damals entschieden wegzugehen, weil ich die Welt sehen wollte, ich wollte fremde Kulturen erleben und Leute kennenlernen. Zuerst war ich für Amerika oder Australien, aber das schien mir sehr weit weg, und Amerika vor allem kennt man schon etwas durch die Film- und Fernsehindustrie. Also dachte ich an England: Das war allerdings auch nicht wirklich, was ich wollte. Irgendwie bin ich dann auf Irland gekommen und ich war sofort gefesselt, die grüne Insel mit ihrer langen und interessanten Geschichte hatte mich in ihren Bann gezogen.
Ich war in einer Kleinstadt im Süd-Westen mit nicht ganz 9000 Einwohnern. Die Schule war – glücklicherweise – nur 2 Minuten von meinem Haus entfernt, wie in Wien. Es war eine reine Bubenschule, was recht häufig in Irland ist, und in allen Schulen gibt es Schuluniformen. Meine war ein hellblaues Hemd mit Krawatte, eine graue Hose, dunkelblauer Pullover und schwarze Schuhe. Sehr streng war unser Direktor allerdings nicht, vor allem die älteren Schüler haben diese nicht jeden Tag getragen.
Es gab relativ wenig außerschulische Aktivitäten, das lag aber auch daran, dass die Schule immer von 9 bis 16 Uhr war und man danach nicht mehr so lange in der Schule sein wollte. Es gab nur ein Gaelic Football Team, bei dem ich auch einige Freunde gemacht hab. Sonst musste man selbst Initiative ergreifen und die Leute selbst angehen. Es kam mir so vor, als wären alle sehr nett und freundlich gewesen, aber wenn man nicht selbst was tat, hat sich kaum jemand mit dir lange unterhalten und viele andere Austauschschüler haben im Endeffekt die meiste Zeit mit anderen Austauschschülern verbracht. Ich war einer der wenigen, die aktiv Freunde gesucht haben und nach nur ein paar Tagen hatte ich eine Gruppe sehr guter Freunde.
Schulisch hatte ich in Irland überhaupt kein Problem. Alle Fächer, die sie haben gibt es bei uns auch, bis auf „ag science“, das für „agricultural science“ steht und sich mit Agrikultur beschäftigt, das ist aber nur optional. Nicht so wie „Irish“, denn jeder irische Schüler muss Gaelic in der Schule haben. Aber da sie in diesem Fach schon einige Jahre Vorsprung hatten, mussten die Austauschschüler in diesem Fach nicht mitmachen. Wir saßen zwar mit ihnen im Zimmer, durften aber unsere Hausaufgaben machen und solche Sachen. Wie wir mit der Matura haben sie ein „Leaving Certificate“, das sie im letzten Jahr absolvieren müssen um die Schule abzuschließen. Ich war in „5th Year“, das wäre bei uns die 7te.
Nachlernen war in meinem Fall recht einfach. In Englisch und Deutsch habe ich nur die Themen nachmachen müssen. Mathematik und die anderen Naturwissenschaften hatte ich dort und es war auch nicht zu schwer, wieder auf einen Stand mit den anderen zu kommen. Nur Latein und Altgriechisch waren sehr schwer. Ich musste in diesen Fächern einiges nachmachen und mir die ganzen Texte anschauen. In Sprachen wie Französisch habe ich keine persönliche Erfahrung, aber von denen die es haben, hab ich gehört, dass es auch nicht zu leicht war.
Wenn man mich fragt, ob ich es wieder tun würde, sage ich jedes Mal „Ja!“. Es war eine unglaublich wertvolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann. Aber ich würde wahrscheinlich ein ganzes Jahr machen. Für mich verging die Zeit dort viel zu schnell und preislich gesehen war kaum ein Unterschied. Ich kann nur sagen, wenn du neue Kulturen und Leute kennenlernen willst, ist ein Semester oder ein Jahr im Ausland genau das richtige für dich.

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