Ein VWA-Ratgeber

Das hier ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Dann wäre ich sowohl Gedankenleser als auch Hellseher und Genie. Das sind viel eher Antworten auf Fragen, die ich vor einem Jahr hatte. Und ein Haufen Pseudoweisheiten, die euch hoffentlich irgendwie weiterhelfen – vor allem, weil ich weiß, dass man beim Thema VWA leicht panisch wird.

(Ich spreche hier nur aus meiner Erfahrung – man kann auch alles anders machen, als ich es hier verkünde. Das hier ist nur einmal als Starthilfe gedacht.)

Zu allererst: Don’t panic. Ernsthaft. Ja, es ist ein Teil der Matura. Ja, es sind viele Zeichen. Aber ihr habt grob ein Jahr Zeit – so lange brauchen manche Menschen nicht einmal um ein Buch zu schreiben. Das klingt jetzt so leicht dahingesagt, aber es stimmt. Sobald man zu schreiben begonnen hat, ist man in ein paar wenigen Wochen fertig. (Wenn man zahlreiche Nachtschichten und viel Kaffee einschiebt, auch schneller.)

Nun ist aber die Frage: Wie, um Himmels Willen, fange ich an?

Ich habe mir immer gesagt, wie mit einem gut vorbereiteten Referat. Wenn ich ein Referat habe, dann suche ich erst einmal ein Buch (oder eine Internetseite), in dem so viel wie möglich steht, das mir einen guten Überblick über das Thema gibt. Genau das gilt auch für die VWA. Das kann auch Wikipedia sein! Nein, Wikipedia ist keine verlässliche Quelle und nicht zitierbar, aber das muss auch nicht sein. Verlässliche Texte sucht ihr euch dann schon in den ganzen fetten Büchern aus der Unibibliothek zusammen.

Dieses Buch, diese Seite, soll nur einmal einen groben Überblick geben, was man in seiner Arbeit überhaupt behandeln kann und was man überhaupt behandeln will. Es kommt natürlich bis zu einem gewissen Grad auf das Thema an, aber wenn ihr jedes Detail ausführlich beschreiben wollt, dann sitzt ihr noch in drei Jahren, und 60 000 Zeichen wirken auf einmal wie echt wenig.

Dann erstellt ihr eine Gliederung. Das habt ihr ja schon beim Erwartungshorizont gemacht – aber das wäre dann jetzt das erste Mal, wo ihr überhaupt eine Ahnung habt, was ihr tut (war zumindest bei mir so). Die Gliederung muss weder besonders ausführlich noch komplett sein. Ihr könnt auch nur einmal das letzte Kapitel gliedern, wenn euch das Spaß macht, und ihr unbedingt hinten anfangen wollt. (Das würde ich aber echt nicht empfehlen, da ich mir vorstellen kann, dass dann ein etwaiger logischer Aufbau verloren geht.)

Und die Gliederung wieder wie bei einer Präsentation: Womit macht es Sinn, dass ich anfange? Gibt es Begriffe, die ich gleich zuerst definieren sollte, damit der Leser sich auskennt? Sollte ich einen historischen Abriss erstellen? Sollte ich vielleicht mein ganzes erstes Kapitel so wählen, dass es auf meinen etwaigen Schwerpunkt hinleitet?

Wenn ihr diese Gliederung dann habt, kommt ihr nicht umhin, euch Bücher zu holen und zu lesen. In welchem Umfang, hängt wieder vom Thema ab. (In solchen Dingen bringt es etwas, mit dem Betreuer/mit der Betreuerin zu kommunizieren – ihr solltet klären, was er/sie sich erwartet.)

Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten, wie ihr das Lesen organisieren könnt. Ihr könnt zuerst alle Bücher, die ihr gefunden habt, lesen und bunte Post-Its je nach Gliederungspunkt kleben. Ihr könnt ein bisschen lesen, ein bisschen schreiben, ein bisschen lesen, dort dazufügen, wo es dann passt. Ihr könnt relevante Bücher lesen, Notizen machen und anhand der Notizen schreiben bzw. von dort wieder zu den Seiten in euren Büchern zurückfinden.
Es gibt tausende Möglichkeiten und jeder hat seinen eigenen Weg. Es gilt, einfach auszuprobieren, wie man sich am besten zurechtfindet. (Für alle, die es interessiert: Ich habe mit Post-Its angefangen, aber nachdem die Dinger ständig rausgefallen sind, bin ich auf seitenweise Notizen umgestiegen – wohl eher eine aufwendigere Strategie, aber ich mochte sie.)

Es gibt zwei Dinge, die ich euch besonders ans Herz legen möchte und ich für essentiell halte:

  1. Führt eine Liste mit Büchern, die ihr schon ausgeborgt hattet und zurückgeben musstet. Schreibt grob auf, was drinnen stand und aus welcher Bibliothek ihr sie hattet. Macht vielleicht ein Foto vom Einband. Ehrlich, nach dem fünften Buch hat man keinen Überblick mehr davon, was, wann, wo, wie und überhaupt war.
  2. Zitiert von Anfang an richtig. Wenn ihr es nicht versteht: Geht den Lehrern auf die Nerven, googlet, fragt ältere Leute, die sich auskennen, schaut in die VWAs, die in der Bibliothek liegen… Was auch immer ihr tut: Versucht, es zu verstehen. Es ist natürlich nicht verboten, Fehler dabei zu machen und nach der halben Arbeit vom Betreuer darauf aufmerksam gemacht zu werden. Ich sage euch aus Erfahrung: Es gibt nichts Anstrengenderes, als das Zitieren zu korrigieren. Vor allem, wenn ihr bei manchen Absätzen nicht angebt, woher ihr sie habt, unter dem Motto: „Ich bin im Flow, ich mach das nachher“. Macht ihr das „nachher“, bzw. 3 Bücher später, hat man keine Ahnung mehr, woher das kam, und dann dürft ihr suchen.

Dann noch eine andere Weisheit: Timing. Solltet ihr es irgendwie verkraften können, ein paar sonnige Sommertage zu opfern und anstatt ins Schwimmbad zu gehen Bücher zu lesen und VWA zu schreiben, dann fangt in den Sommerferien an. Egal, wie schwer es ist: Fangt an. Klar, ihr habt genug Zeit unter dem Schuljahr – aber das ist auch nicht die Frage. Es ist einfach wesentlich schwerer, sich nach einem acht-Stunden-Schultag und nach den Hausaufgaben hinzusetzen und sich zu konzentrieren. Und dann kommen noch Schularbeiten und Referate und dann hast du noch weniger Lust.

Außerdem: Sie ist einfach immer da. Das böse V-Wort, dem man versucht, bei jedem Gespräch aus dem Weg zu gehen… Man denkt wirklich oft daran, dass man die ja auch noch machen muss – deshalb ist es wirklich angenehmer, sich selbst sagen zu können: Hey, ich hab ja schon die Hälfte. Oder ein Drittel. Oder, ich habe schon vier der fünf Bücher gelesen, die ich verwenden möchte. Dann ist man einfach viel entspannter.

Und jetzt kommt die Liste von Dingen, die ich nicht in Text packen will und die doch irgendwie gesagt gehören:

  • 60 000 Zeichen sind das Maximum. Meiner Meinung nach ist es immer leichter, etwas noch genauer zu recherchieren, sollten jemandem seine Zeichen zu wenig sein, als die halbe VWA kürzen zu müssen.
  • Redet mit eurem Betreuer/mit euer Betreuerin. Haltet euch an die Termine. Derjenige/diejenige benotet euch, er/sie macht sich ein Bild von dir.
  • Organisiert euch, macht euch Zeitpläne und schafft es, euch daran zu halten und euch selbst in den Hintern zu treten.
  • Wenn ihr das Literaturverzeichnis einer VWA seht und euch fragt, wie der so viele Bücher verwenden konnte: Von manchen nimmt man nur zwei Absätze und gut is – macht sich gut, wenn man mehrere Bücher hat.
  • Traut euch auch einmal nein zum Betreuer/zur Betreuerin zu sagen – vor allem anfangs und was den Inhalt betrifft. Man will sich normal nicht wirklich mit etwas beschäftigen, was einem nicht gefällt. Wenn man ihn/sie nicht überzeugen kann, dann hat man es wenigstens versucht. (In diesem Fall – also wenn all die Überzeugungsarbeit nichts bringt – ist es aber schon eher ratsam einzulenken)

Ich hoffe, ich konnte eine gewisse Hilfe sein – im Endeffekt muss man sowieso selbst ausprobieren, was einem gut liegt. Viel Glück!

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